by: Marianne Leber

Es ist Dezember, zu Hause in der Schweiz herrscht Weihnachtsrummel mit allem was dazugehört, Weihnachtsstress pur. Dieses Jahr aber ohne mich und schon das fühlt sich sehr gut an. Weg von allen Verpflichtungen und Partys, den Stecker rausziehen und in die Stille kommen, für mich ganz alleine eine Auszeit ist Luxus pur.

Das ONEWORLD Ayurveda Centre in der Nähe von Ubud in Bali begrüsst mich mit einem Blick in einen wunderschönen tropischen Garten. Tekok, der überaus nette Supervisor, zeigt mir mein Zimmer, es liegt im oberen Stock; hell, gross und sehr freundlich eingerichtet, mit einer traumhaften Terrasse und einem Blick ins Grüne mit vielen tropischen Pflanzen und riesigen, bunten Schmetterlingen – ich bin überwältigt.

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Meine Panchakarma beginnt mit einer Standortbestimmung und Diagnose mit dem Ayurvedischen Arzt Dr. Ninnu. Mein Kappa ist zu hoch und Vata aus dem Gleichgewicht. Ich bin nicht überrascht, waren doch die letzten Jahre in Zürich sehr stressvoll. Dr. Ninnu stellt mir mein individuelles Behandlungsplan zusammen, dessen Verlauf dann in den täglichen Konsultationen überwacht, und falls nötig, entsprechend angepasst wird. Dr. Ninnu kommt aus Indien, wo er Ayurveda studiert und praktiziert hat. Er ist auch ein Apotheker und hat dort seine eigenen Medikamente produziert, die von vielen Ayurvedischen Kliniken benutzt werden. Über dem grossen Treatment Centre hier sind grosse Permakultur-Heilpflanzengärten angelegt mit über 80 verschiedenen Pflanzen, die für die Anwendungen und auch für die Küche gebraucht werden. Man kann sich durch diese Gärten wandeln und die Pflanzen anschauen, fühlen, riechen und sich auf den gemütlichen Holzbänken verweilen und die Seele baumeln lassen. Die über 160 Medikamente in hauseigenem Pharmacy kommen direkt aus Kerala in Südindien, die Wiege von Ayurveda.

Mit einem sanften Gong werden wir am Morgen um 6 Uhr geweckt, 15 Minuten später kommt die erste Medizin. Um 6.45 Uhr wunderbare Yogasession; nach etwa 12 Jahren ohne Yoga bin ich ein sehr unbewegliches Holzstück. Die Yogahalle ist eine wunderschöne, riesengrosse Pavillion mit Sicht über die Reisfelder, einfach traumhaft. Der Yogalehrer ist geduldig und liebevoll mit mir und ich geniesse es, den Körper mal wieder so richtig zu strecken und dehnen. Nach dem Mantra Chanting – der Lehrer hat sehr schöne Stimme – gibt es gesundes Frühstück auf der Poolterrasse und dann ist es Zeit für die erste Behandlung. Ich werde abgeholt von Santi, die mich hinunter durch den Garten ins Treatment Centre führt. Dort erwarten mich alle Therapeutinnen mit einem Namaste und einem wunderschönen Lächeln.

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Heute und in den kommenden sechs Tagen geht es um die Vorbereitung auf den grossen Detox-Tag. Ich werde von zwei Therapeutinnen eingeölt und mit vier Händen kräftig durchmassiert, es tut so gut! Nachher gibt es einen Ginger-Tee auf der Terrasse mit Blick in die Reisfelder. Ich bin schon ganz relaxt. Ausruhen, entspannen, aber ins Pool darf ich nicht! Da muss ich, als ausgesprochene Wasserratte, zuerst mal leer schlucken. Dr. Ninnu erklärt mir, dass der Körper während einer Panchakarma von aussen und innen geölt wird, damit der Detox erfolgreich ist und dass Schwimmen mir nicht guttun würde. Ok, das leuchtet mir ein. Das Mittagessen, Indische vegane Köstlichkeiten, ist leicht und bekömmlich und sogar ein Dessert gibt es dazu. Um 14 Uhr kommt die Mittagsmedizin und eine Stunde später die zweite Behandlung. Anschliessend bis zur Abendmeditation wird ausgeruht, gelesen oder mit den anderen Gästen geplaudert; wir sind eine gemischte Gruppe aus Kanada, Frankreich, China, Australien, Amerika, Philippinen und aus Finnland. Nach dem Abendessen und den letzten Medikamenten um 20 Uhr – es ist schon stockdunkel – verziehen sich alle in ihre Zimmer, auch ich bin so was von müde. So vergehen die ersten sechs Tage wie im Nu. Ab dem dritten Tag bekomme ich Kopfweh, bin ganz vernebelt und fühle mich schwer wie eine Tonne. Es fühlt sich an, als würde die ganze Last der Welt auf mir liegen, ich bin total melancholisch. Man tröstet mich, das sei normal während PK, eine Healing Crisis, nach dem Detox werde alles besser. So ersehne ich meinen grossen Tag herbei. Es ist Regenzeit und jeden Tag prasselt der Regen Sinnflutartig für ein paar Stunden herunter. Die besten Voraussetzungen für eine Wach-Siesta… schlafen sollte man nicht am Tag.

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Detox-Tag: Um 6 Uhr geht es hinunter zu Dr. Ninnu, er erwartet mich mit einem verschmitzten Lächeln. Im Behandlungsraum warten Santi und Gefässe mit Flüssigem drin, das ich wahrscheinlich alles trinken muss… Und so ist es, so zwei Liter müssen runter und dann wieder heraus herausbefördert werden. Habe ich geschafft, Dr. Ninnu ist zufrieden und ich fühle mich als sei ein Lastwagen über mich gefahren. Santi begleitet mich hinauf ins Zimmer und ich falle ins Bett und bleibe dort den ganzen Tag. Dr. Ninnu kommt auf Besuch, nimmt den Puls und lächelt zufrieden: „Very good, Kappa is down.“ Am nächsten Morgen erwache ich wirklich wie neugeboren. Alles ist klar, es scheint als sei der Nebel weggefegt worden, ich fühle mich sehr gut und hellwach um 6 Uhr morgens … was ganz Neues für einen Schlafbär, und ich freue mich aufs Yoga und auf das Frühstück.

Es folgen viele verschiedene Behandlungen, um meine diversen Leiden zu heilen – das Knie macht weh, habe Probleme mit den Atemwegen und noch einiges dazu. Massagen über Massagen, Kräuterbäder, Dampfbäder, Stirngüsse, Nasen und Augenreinigung und vieles mehr helfen mir sehr. Begleitet von super gesundem Essen, Reisfeldspaziergänge, schöne Rituale und Nachdenken über mich, Gott und die Welt. Das alles in einem wunderschönen Ambiente sehr weit weg vom Alltag, Stress und all den oft selbst auferlegten Musts. Nach 21 Tagen geht es wieder zurück in die Welt. Ich fühle mich wunderbar, diese Zeit hier war ein Luxus für meine Gesundheit und meine Seele, ich bin verjüngt und mit mir im Balance. Und das ich dabei noch recht viele Kilos verloren habe, ist ein toller Extrabonus. Die ganze Zeit hier fühlte ich mich liebevoll behandelt, alle waren besorgt um mein Wohlergehen und nichts schien zu viel verlangt. Das beste Weihnachtsgeschenk, das ich mir machen konnte. Vielleicht von nun an alle Jahre wieder?

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